Über mich

Als kleines Mädchen las ich im Lichte der Taschen­lampe die Märchen der Brüder Grimm, und am Sonntag­morgen lauschte ich am Radio fasziniert der einzigartigen Märchen­erzählerin Trudi Gerster. Im jungen Erwachsenen­alter begleiteten mich die Märchen immer noch, heimlich zwar, denn wer wollte schon zugeben, die Märchen zu lieben?

Heute – viele Jahre später – ist das anders: Nicht nur Märchen, sondern auch Geschichten in all ihren Facetten sind ein wichtiger Bestand­teil meines Lebens geworden. Seit 15 Jahren bin ich nun schon als Geschichten­erzählerin für Erwachsene unterwegs. Das innere Feuer brennt und ruft nach immer neuer Nahrung. Die Geschichten entstehen entweder aus Gelesenem, Gehörtem, Erlebten, sind themen­bezogen oder der Situation angepasst.

Meine grosse Leidenschaft gilt den alten bern­deutschen Ausdrücken, die ich zu neuem Leben erwecke: "Sydian, Gizgritte, süferli, düüsele, schlärpele, ferge, buggsiere, nüschele, löie ..." Doch nicht nur die Ausdrücke sind es, die meine Geschichten einzig­artig und lebendig machen. Es ist das gesprochene Wort schlechthin.

Vor vielen Jahren begegnete ich einer wunder­baren Frau, die mir einen Satz mit auf den Weg gab. "Jedes Wort, das du sagst, musst du spüren, kauen – ein Aber ist nicht nur ein Aber, entdecke all seine Gesichter." Dieser Satz wurde ein Credo. Das Wort, durch Stimme und Köper ausgedrückt, wird den Zuhörer umgarnen, über­raschen, berühren und aufrütteln. Tanzend erobert es dessen Herz, leicht­füssig und sinnlich wie ein Ballet, lustig und verbindend wie eine Polka, akrobatisch und schnell wie ein Rock'n'Roll, erotisch und geheimnis­voll wie ein Tango, feurig und stolz wie ein Flamenco- oder Zigeuner­tanz. So entsteht bei jedem ein ureigener innerer Geschichtentanz.